Newsletter Rubrik „Tipps fürs Wandern“
Der Rucksack ist gepackt, die Entscheidungen für T-Shirt, Hose, Jacke und Socke sind getroffen. Was noch fehlt ist das Wichtigste: der passende Wanderschuh bzw. Wanderstiefel!
Also – Schuhschrank auf und da stehen sie – unsere Wanderstiefel und die Trekkingschuhe – vor einigen Wochen gekauft und schon ein bisschen eingelaufen. Allerdings…
der Weg zu unserem richtigen Wanderschuh war fast so weit wie eine Tageswanderung selbst. Aber lest selbst, warum wir überhaupt einen Wanderstiefel brauchen und auf was man beim Kauf so achten sollte.
Die richtigen Wanderschuhe finden und kaufen
Wer auf der Suche ist nach den perfekten Wanderschuhen, sollte sich als erstes überlegen, für welchen Zweck die Wanderschuhe am häufigsten gebraucht werden: Zum Gassi gehen mit dem Hund, Wandern im Mittelgebirge oder auf flachen Wiesen, Trekking, kombinierte Touren, zum Klettersteige gehen oder für eine hochalpine Tour. Ein guter Wanderschuh begleitet einen lange und sollte vor allem bequem sein, aber gleichzeitig zuverlässig auf schwierigem Terrain. Die Schuhe müssen wasserdicht sein bei Regen, sollen aber auch atmungsaktiv sein für sommerliche Wanderungen. Für lange Strecken sollten die Schuhe leicht sein, Haltbarkeit der Wanderstiefel spielt eine Rolle, genauso wie auch die enthaltenen Schadstoffe.
Da hört man doch schon raus, dass es gar nicht so einfach ist, den passenden Schuh zu finden. Dann mal weiter mit den Infos.
Wer viele verschiedene Touren geht, sollte sich auf jeden Fall mehrere, für den Anwendungszweck passende Wanderschuhe gönnen. Ansonsten ist ein guter Allrounder die beste Wahl, um für verschiedene Wanderungen gut gerüstet zu sein.
Die Frage, die oft aufkommt, ob man nicht auch einfach mit Turnschuhen wandern gehen kann, ist schnell beantwortet: NEIN. Wer wirklich wandern möchte, sollte nicht mit einem herkömmlichen Turnschuh auf Tour gehen.
Die Investition in einen richtigen Wanderschuh lohnt sich, man wandert nicht nur leichter, sondern vor allem sicherer. Ein Wanderschuh gibt den Füßen und Knöcheln den nötigen Halt und spezielle rutschfeste Sohlen minimieren zusätzlich das Verletzungsrisiko. Wasserdichte Wanderstiefel ermöglichen zudem auch einen kleinen Wasserlauf zu queren, ohne gleich nasse Füße zu bekommen.
Um etwas Struktur in die Vielfalt der „Stiefelvarianten“ zu bringen, hat Herr Alfons Meindl seine Schuhe und Stiefel zum Wandern in die Anwendungsbereiche bzw. Kategorien A – D eingeteilt. Diese Einteilung hat sich so gut bewährt, dass diese heute auch andere Hersteller anwenden. Die Kategorie steht meistens neben der Größenangabe.
- Kategorie A: bequeme, weiche, biegsame Sohle geeignet für gute Wege, Parkanlagen und Alltag
- Kategorie A/B: fest, mit hohem Schaft für leichte Wanderungen im Flachland, Mittelgebirge oder in den Voralpen z.B. auf Forstwegen
- Kategorie B: stabiler Schaft, feste Sohle, Gummirand, Stützfunktion, geeignet für anspruchsvolle Wanderungen im Mittelgebirge, leichte Trekking-Touren in den Gebirgen der Welt, auf schlechten Wegen und Steigen.
- Kategorie B/C: steifer Schaft, steife Sohle, bedingt steigeisenfest
(anspruchsvolle Trekkingtouren mit viel Gepäck, Bergtouren, Klettersteige) - Kategorie C: harte, biegesteife Sohle, hoher und fester Schaft, steigeisenfest
(härteste Trekking- und Hochgebirgstouren, Gletschertouren) - Kategorie D: sehr steife Sohle, harter Schaft, keine Biegung bei Steigeisen
(Gletschertouren, Eistouren, schweres, wegloses Gelände)
So, jetzt wissen wir, der Unterschied zwischen Wanderschuhen, Trekkingschuhen und Bergschuhen ist meistens die Sohle und entscheidet damit die Kategorie. Der Härtegrad der Sohle bestimmt letztendlich für welchen Untergrund bzw. Wanderzweck der Schuh ausgelegt ist. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je härter die Sohle, desto anspruchsvoller das Wanderterrain. Bei einer guten Kaufberatung sollte somit immer der überwiegende Wanderzweck abgefragt werden, um so auf die passende Kategorie und somit Härte der Sohle zu schließen.
So langsam kristallisiert sich heraus, welche Stiefel/Schuhe für die von der Ortsgruppe Leonberg des SAV angebotenen Wandertouren gut geeignet sind: die typischen Allrounder, die für fast alle Wanderungen in unserer Gegend super passen, sind Wanderschuhe der Kategorie AB und B.
Grundsätzlich bieten Wanderschuhe mit einem hohen Schaft deutlich mehr Halt und Stabilität für den Fußknöchel. Die Gefahr umzuknicken und sich zu verletzten, ist somit deutlich geringer. Vor allem Wanderanfängern empfehlen wir für Wanderungen im Mittelgebirge oder schwierigerem Untergrund Schuhe mit hohem Schaft.
Allerdings besitzt ein Schuh mit hohem Schaft auch ein paar Nachteile, die wiederum für einen niedrigen Schuh sprechen. Hohe Schuhe sind fast immer schwerer und klobiger. Dadurch ist man beispielsweise nicht ganz so flexibel.
Fazit: Für Wanderungen abseits des einfachen Forstweges immer hohe Wanderschuhe bevorzugen, weil dadurch die Trittsicherheit deutlich verbessert wird. Vor allem beim bergab gehen, wenn die Konzentration schon etwas nachlässt, wird so die Gefahr umzuknicken und sich zu verletzen minimiert.
Puh – ganz schön viel Theorie – und jetzt ab in das Schuhgeschäft!
Eine wichtige Faustregel ist, die Wanderschuhe immer ein bis zwei Nummer größer zu kaufen, damit genug Platz vorne ist. Zwischen großem Zeh und Schuhspitze sollte mindestens ein daumenbreiter Platz sein, tendenziell etwas mehr.
Beim bergab gehen passiert es automatisch, dass der Fuß etwas nach vorne rutscht im Schuh. Ist der Schuh zu klein und die Zehen haben zu wenig Platz, stößt man vorne an, was sehr unangenehm ist. Das ist ein weiterer Grund, warum herkömmliche Turnschuhe zum Wandern und vor allem zum bergab gehen nicht geeignet sind!
Anprobieren der Wanderstiefel immer mit dicken Socken und immer mehrere Modelle und Marken versuchen, denn jeder Hersteller hat andere Schaftweiten So sind manche Modelle eher für schmale Füße, andere wiederum für breite Füße besser geeignet. Gute Geschäfte bieten Laufstege mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit zum Testen – diese sollte man ausgiebig nutzen.
Die Schuhe sollten gut passen – nicht zu eng – nicht zu weit – uns sie sollten beim Anprobieren an keiner Stelle drücken – auch das „Einlaufen“ wird diese „Druckstelle“ nicht wirklich beseitigen. Blasen und Schmerzen beim Gehen sind die Folge – wer will das schon. Noch ein paar Punkte – worauf man achten sollte:
- gute Dämpfung
- optimale Stützleistung
- Atmungsaktive Membran gegen Schwitzen, was Blasen vermeidet
- Bei hohen Wanderstiefeln: Schnell zu bindende Schnürsenkel (mit Feststellöse oder Schnellzughaken) und Anziehschlaufen
- Bequeme, herausnehmbare und atmungsaktive Sohle
- Abriebfeste Gummisohle und Gummibeschichtung an der Schuhspitze: Macht den Schuh strapazierfähiger und schützt ihn vor schneller Abnutzung
- Rutschfeste Sohle mit tiefem Profil bzw. tiefen Stollen
- Wasserdicht und wettertauglich
- die richtigen Wandersocken
Hurra – wir haben die für uns optimalen Wanderschuhe gekauft – jetzt müssen sie noch richtig eingelaufen werden!
Bevor die neuen Wanderschuhe zur ersten längeren Tour angezogen werden, empfiehlt es sich, die Wanderschuhe erst einmal „einzulaufen“, damit sich der Schuh besser an den Fuß anpassen kann und so Blasen vorgebeugt wird.
Es macht Sinn, mit den neuen, noch sauberen Schuhe 4-5 Stunden in der Wohnung rumzulaufen und anschließend immer wieder bei längeren Spaziergängen. Bitte die entsprechenden Wandersocken nicht vergessen!
Jetzt kann es losgehen! Die Sonne lacht – Rucksack gepackt – optimale Kleidung angezogen – die neuen Wanderstiefel richtig geschnürt – das kommt nächstes Mal!…
